Vivi Touloumidi 11. Hanauer Stadtgoldschmiedin

15 Mai, 2025 - 15:50 -- Eberwein
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Vivi Touloumidi (*1977 in Athen, GR) wurde für das Jahr 2025 zur 11. Hanauer Stadtgoldschmiedin ernannt. Die Jury, bestehend aus Alexander Blank, Dorothea Förster, Malte Guttek, Martin Hoppe und Benjamin Pfister, hob die künstlerisch-forschende Qualität sowie den inhaltlichen Tiefgang der Arbeiten der Künstlerin hervor.

Die künstlerische Forschung von Vivi Touloumidi nimmt Schmuck als Phänomen in den Fokus. Mit ihrem Werk verdeutlicht Touloumidi, dass Schmuck nicht nur dekorativ, sondern insbesondere kommunikativ ist. Für Touloumidi ist Schmuck ein Ausdruck menschlichen Handelns, der Körper im Raum zueinander positionieren kann. Mit ihren Arbeiten hinterfragt sie, wie Schmuck Botschaften transportieren, Gruppen formen oder Diskurse auslösen kann. Ein Schwerpunkt ihrer künstlerischen Auseinandersetzung liegt in dem Erforschen von Stigmatisierung und Widerstand durch Schmuck als politisches Symbol. Ebenso setzt sich Touloumidi in ihrer Schmuckpraxis mit historischen Spuren in körperbezogenen Objekten auseinander. Wie sich Geschichte in Objekten einschreiben kann, was daraus für die Gegenwart gelernt werden kann und wie sich Geschichte mit Objekten erzählen lässt, prägt den künstlerisch-forschenden Ansatz von Touloumidi und ihren Arbeiten. So untersucht sie die Hierarchien zwischen künstlerischen, gestalterischen und handwerklichen Disziplinen. Die Materialien und Formen, mit denen Touloumidi arbeitet, stehen immer in einem direkten Zusammenhang mit den Themen, die ihre Werke durchziehen. Claus Kaminsky, Oberbürgermeister der Brüder-Grimm-Stadt Hanau, über die Wahl zur 11. Hanauer Stadtgoldschmiedin: „Die komplexe Auseinandersetzung mit Schmuck als gesellschaftlichem und politischem Phänomen hat Vivi Touloumidi in zahlreichen Vorträgen und Workshops weitergegeben. Wir freuen uns schon sehr, dass die Künstlerin nach den Sommerferien nach Hanau kommen wird, um ihre künstlerischen Ansätze an die Schülerinnen und Schüler der Staatlichen Zeichenakademie Hanau weiterzugeben.“

Vivi Touloumidi absolvierte nach einem BWL-Studium eine Ausbildung zur Goldschmiedin in Athen. Anschließend studierte sie bis 2013 in Halifax (CAN), Pforzheim (DE) und Stockholm (SE). Von 2018 bis 2022 verfolgte sie ihren PhD in Kooperation mit dem Antwerp Research Institute for the Arts (ARIA) in Belgien, wo sie seit 2020 ebenfalls unterrichtet.

Touloumidi hat zahlreiche Vorträge und Workshops gegeben. Ihre Arbeiten sind in den Sammlungen des Schmuckmuseums Pforzheim, dem Ilias Lalaounis Jewelry Museum (GR), der Cominelli Foundation Permanent Collection (IT), der Galerie Marzee (NL) sowie in zahlreichen privaten Sammlungen vertreten. Sie wurde unter anderem für den Friedrich Becker Preis, den Herbert Hofmann Preis und TALENTE nominiert.


Seit 2004 ernennt die Stadt Hanau alle zwei Jahre eine Stadtgoldschmiedin oder einen Stadtgoldschmied.

Die Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. organisiert die Ausstellung der ausgezeichneten Personen. Während der Zeit als Stadtgoldschmiedin oder Stadtgoldschmied werden eigene künstlerische Projekte verfolgt. Hierfür stellt die Staatliche Zeichenakademie für vier bis fünf Wochen einen Arbeitsplatz zur Verfügung. Dort werden in diesem Zeitrahmen auch Workshops für die Schülerschaft abgehalten.

Simone Schmitt die Stellvertretende Schulleiterin der Staatlichen Zeichenakademie Hanau hebt hervor: „Die Verleihung des Titels der Stadtgoldschmiedin stellt nicht nur eine herausragende Ehrung dar, sie eröffnet zugleich wertvolle Perspektiven für die künstlerische Zusammenarbeit mit der Staatlichen Zeichenakademie. Wir sehen dem Aufenthalt der Stadtgoldschmiedin im September mit großer Vorfreude entgegen – insbesondere dem geplanten Workshop, in dem unsere Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihr kreative Prozesse erleben und mitgestalten dürfen.“

Das Deutsche Goldschmiedehaus Hanau ermöglicht im darauffolgenden Jahr die Präsentation der Arbeiten der Stadtgoldschmiedin im Rahmen einer umfassenden Ausstellung. „Vivi Touloumidi zeigt mit ihren Arbeiten, dass Schmuck nicht nur den Zweck des Schmückens erfüllt. Das Ergründen und Sichtbarmachen des politischen Gehalts von Schmuck ist eine notwendige Ergänzung in der Vermittlung von Schmuck. Ich freue mich, dass diese Perspektive im Rahmen einer großen Einzelausstellung im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau Raum erfahren wird,“ betont Malte Guttek, Leiter des Deutschen Goldschmiedehauses Hanau und Geschäftsführer der Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V.

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