Schmuck nach dem Bauhaus: Jakob Bengel, Idar-Oberstein

Datum: 
Donnerstag, 31. Oktober 2019 ( ) bis Sonntag, 26. Januar 2020 ( )


Im Jahre 1873 gründete in Idar-Oberstein Friedrich Jacob Bengel die „Uhrketten- und Bijouteriewarenfabrik Jakob Bengel“, nach 50 Jahren erfolgreicher Uhrkettenproduktion musste man in den 1920er Jahren neue Akzente setzen. Dem unternehmerischen Spürsinn von Ernst Hermann Hartenberger sen., dem Schwiegersohn des Firmengründers war es zu verdanken, dass man ab 1929 eine ganz eigene, moderne Schmucklinie produzierte, die weltweit vertrieben wurde.  

Man bediente sich des vorhandenen Repertoires von unterschiedlichsten Ketten, deren Einzelteile mit speziell angefertigten Gesenken hergestellt wurden und kombinierte sie mit dem gerade erst in Deutschland aufgekommenen Material Galalith. ein aus Lab-Casein gewonnener und mit Formaldehyd in einem aufwändigen Prozess gehärteter Kunststoff, ließ sich problemlos in Röhrchen, Walzen, Kugeln, Dreiecke, Rhomben und Scheiben schneiden und beliebig einfärben. Die geometrischen Galalith Elemente wurden in fein aufeinander abgestimmten Farbtönen oder geschickt gewählten Farbkontrasten mit den Metallteilen, die meist aus vernickeltem oder verchromtem Messing/Tombak bestanden, kombiniert. Es entstanden unzählige Variationen von langen Ketten, Colliers, Anhängern sowie Arm- und Ohrschmuck, allein zwischen Juli 1931 und August 1932 wurden 1470 verschiedene Modelle produziert.

Auf der in den 1930er Jahren wichtigste Schmuckmesse Deutschland, im Speckshof in Leipzig, präsentierte die Firma Bengel über viele Jahre ihre „articles spéciaux pour tous pays – créations continuelles de nouveauté  modèrnes – bracelets – colliers en Galalith-Métal“. Die in drei Sprachen abgefasste Visitenkarte beweist die Internationalität der Firma, die Auftragsbücher verraten, dass zu den bedeutendsten Kunden die großen Kaufhäuser in Paris wie Grands Magasins du Louvre und Grands Magasins du Printemps, wie auch Woolworth in New York gehörten.

In den 1990er Jahren wurde auf den Antik- und Flohmärkten der außergewöhnliche Modeschmuck noch als französisches Produkt angeboten, bevor eine umfangreiche wissenschaftliche Aufarbeitung, die Herkunft der Stücke aus Idar-Oberstein nachweisen konnte.


Die Ausstellung wird im Souterrain gezeigt.