
Das Deutsche Goldschmiedehaus lädt am Dienstag, dem 14. Oktober 2025 um 19.30 Uhr zu einem Rückblick auf die Schmucktendenzen der 1920er und 1930er Jahre in Deutschland ein.
In ihrem Vortrag zeichnet Dr. Christianne Weber-Stöber den Weg der Schmuckgestaltung von der „Neuen Sachlichkeit“ in den 1920er Jahren zum „deutschen Stil“ des Nationalsozialismus in den 1930er Jahren auf.
Vor nunmehr 100 Jahren öffnete in Paris die große Schau des Kunstgewerbes und Industriedesigns, die „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels modernes“ ihre Tore und präsentierte neben vielen anderen Gewerken Schmuck und Accessoires in einem ganz eigenen Stil, der Jahrzehnte später als „Art Déco“ in die Geschichte eingehen sollte. Deutschland war nicht zur Teilnahme eingeladen, obwohl mit dem sogenannten „Bauhausstil“ und der „Neuen Sachlichkeit“ wichtige Impulse für die stilistische Entwicklung dieser Epoche gegeben wurden. Die Schmuckszene in Deutschland orientierte sich nur zaghaft an den neuen Errungenschaften im Hinblick auf Materialen wie Kunststoff und unedle Metalle.
In den Juwelenwerkstätten des Deutschen Reiches wurde ein gemäßigter „Art Déco“ Stil gepflegt, der auch internationales Publikum begeistern sollte. Nach wie vor kamen traditionelle Techniken und Dekore wie Granulation und Filigran zur Anwendung. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging auch im Schmuck die Ausprägung eines „deutschen Stils“ einher, der mit den unterschiedlichsten Fördermaßnahmen propagiert wurde. Nicht zuletzt war es auch die 1932 als Verein gegründete Deutsche Gesellschaft für Goldschmiedekunst, die mit ihren unzähligen Wettbewerben, Ausstellungen und groß angelegter Pressekampagne für die Akzeptanz und Verbreitung des „deutschen Stils“ sorgte. Namhafte Werkstätten wie Wilm, Lettré und Zeitner passten sich den neuen Gegebenheiten geschickt an und waren sehr erfolgreich, andere Goldschmiedinnen und Goldschmiede wurde durch zunehmende Materialknappheit und erschwerte Arbeitsbedingungen ihrer Möglichkeiten beraubt.
Dr. Christianne Weber-Stöber, Schmuck- und Kunsthistorikerin, war von 1989 bis 2023 die Geschäftsführerin der Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. und leitete ab 2006 das Deutsche Goldschmiedehaus Hanau und war für seine inhaltliche Ausrichtung als Museum verantwortlich. In zahlreichen Publikationen, Veröffentlichungen und Vorträgen hat sich Weber-Stöber mit Schmuck und Gerät des 20. und 21. Jahrhunderts beschäftigt, sie ist nach wie vor als Jurorin tätig und arbeitet in Institutionen und Gremien als Beraterin mit.
Der Vortrag ist eine Kooperation mit dem Hanauer Geschichtsverein e.V. und der Interessengemeinschaft Hanauer Altstadt e.V.
