
Am 9. Mai 2026 wurde der mit 10.000 Euro dotierte Friedrich Becker Preis von der Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. an Veronika Fabian verliehen. Im Rahmen der feierlichen Verleihung mit zahlreichen Gästen in der Wallonisch-Niederländischen Kirche in Hanau, sprachen Hartwig Rohde, Präsident der Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V., Dr. Maximilian Bieri, Bürgermeister der Stadt Hanau, und Malte Guttek, Leiter des Deutschen Goldschmiedehauses Hanau.
Mit der diesjährigen Vergabe des Friedrich Becker Preises werden nicht nur das zehnte Jubiläum des Preises gefeiert, sondern auch die Lebendigkeit und Zukunftsfähigkeit von Schmuck, Gerät und Objekt gewürdigt. Aus diesem Anlass erschien ein Katalog, der nicht nur den aktuellen Wettbewerb vorstellt, sondern mit Texten von Beatriz Chadour-Sampson und Christianne Weber-Stöber und den Namensgeber und die Geschichte des Preises würdigen.
Veronika Fabian (*1979 in Kecskemét, Ungarn) lebt und arbeitet als Schmuckmacherin in Ungarn. Sie studierte Schmuckdesign am Central Saint Martins, University of the Arts, London und belegte an der Gerrit Rietveld Academy das „MASieraad Challenging Jewellery“ Master Programm in Amsterdam. Zuvor war sie für mehrere Jahre im Wirtschafts- und Finanzwesen tätig, eine Zeit, die ihren Blick auf Schmuck wesentlich prägt. Denn Fabian reflektiert mit ihren Arbeiten die Konsumkultur und die Bedeutungen alltäglicher Objekte im persönlichen Leben von Menschen. So werden der Kapitalismus des 21. Jahrhunderts, die Entstehung und der Zerfall von Wertzuschreibungen immer wieder Themen in ihren Arbeiten. Für Fabian fungiert Schmuck als eine Schnittstelle, an der sich Individuum und Gesellschaft kreuzen. Charakteristisch für ihre Arbeiten ist der experimentelle Umgang mit industriell gefertigten Ketten. Diese verändert sie durch Schmieden, Walzen und Löten. Es entstehen hoch-skalierte Formen, wie etwa Karabiner, Ösen, Federringe oder Kettenstränge. Außerdem verfremdet Fabian alltägliche Objekte, die mit Status und Identität assoziiert werden. Weinflaschen, Parfum-Flakons, Nagellack-Fläschchen oder Schallplatten werden zerlegt und bleiben in ihrem Ursprung lediglich erahnbar. Parallel zur Ausstellung mit der prämierten Arbeit ist in der Foyervitrine des Deutschen Goldschmiedehauses Hanau vom 10. Mai bis zum 31. August 2026 ein erweiterter Einblick in das Werk der Preisträgerin zu gewinnen.
Die Jury begründete ihre Entscheidung für die Arbeit „Spring ring XXXL / Clasp me firmly, hold me tight“ von Veronika Fabian wie folgt:
„Die ausgewählte Arbeit entfaltet Schmuckzitationen auf mehreren Ebenen. Ausgangspunkt ist der Federring, ursprünglich ein funktionaler Verschluss, der hier zum Halsreif vergrößert und damit zum tragenden Körper der Arbeit wird. Industriell gefertigte Ketten bilden das Ausgangsmaterial. In einem transformierenden Prozess werden sie zu einem feinwandigen Gefüge verdichtet, verlötet und gepresst. Aus der Linearität der einzelnen Ketten entsteht so eine neue, kompakte Form. Diese Verkettung von Formen und Zuschreibungen setzt sich auch auf der semantischen Ebene fort: Verschluss wird Schmuck, Serie wird Einzelstück, Funktion wird Zeichen. Durch diese materielle und symbolische Transformation werden mit der Arbeit Fragen nach den Normen und Konventionen des Schmucks gestellt. Ebenso nach Selbstbestimmung, Wert und Bedeutung innerhalb seiner funktionalen Codes.“
