Delleziöses - verdellt verformt deliziös

Datum: 
Donnerstag, 15. April 2021 ( ) bis Mittwoch, 30. Juni 2021 ( )
Jerome Funk. Kanne für Eistee Louisiana. Silber, Lack. Foto: Andreas Decker


Die Staatliche Zeichenakademie Hanau zählt zu den wichtigsten Aus- und Weiterbildungsstätten im Bereich des (edel-)metallverarbeitenden Handwerks in Deutschland. Die Arbeiten der Schüler überraschen immer wieder durch innovatives Design, das ihnen vielfach Preise und Auszeichnungen einbrachte.

Die Schau im Souterrain des Deutschen Goldschmiedehauses Hanau vereint Schalen, Becher, Vasen, eine Kanne und Skulpturen von Auszubildenden der Silberschmiedeklasse. Es wird nicht nur die Verbindung von individuellem Design und hochwertiger Ausarbeitung gezeigt, sondern zudem eine Vorstellung von den Möglichkeiten moderner Metallbearbeitung gegeben. Bei der Umsetzung kam neben tradierten Bearbeitungsverfahren wie Schmieden, Treiben oder Löten auch neueste Technik zum Einsatz. Mittels CAD-gestützter Verfahren wurden vorab Modelle und Zuschnitte am PC generiert, die für den anschließenden Fertigungsprozess genutzt wurden.

Der Titel der Ausstellung – Delleziöses – ist eine Anspielung auf die außergewöhnliche Form einiger Becher und Schalen, ihre lebhaft gestalteten Oberflächen und Silhouetten. Bewegte Linienführung und bewusst eingedrückte Bereiche geben den Gegenständen die Anmutung als wären sie verbogen und „verdellt“. Aus „deliziös“ wird „delleziös“.

Exemplarisch hierfür steht die Schale „Faltus Impakt“ von Tim Neumann, deren Faltungen einen kreativen Umgang mit dem Material nachvollziehen lassen. Die „Krötenbecher“ von Johanna Hess sind von kleinen, mit Hilfe von Punzen aufgeworfenen Buckeln übersät, deren Anmutung an die Haut der Amphibien erinnert. Ein Becher von Vincent v. d. Marwitz trägt einen chemisch in das Metall geätzten Handabdruck.

Zeichnerisch wirkt ein Bild von Dustin Gorus. Eine Messingplatte wurde mit aquarellhaft aufgetragenem Polymerlack bemalt und in ihre Oberfläche wurden lineare Strukturen eingewalzt. Gesägte Elemente sowie eine Vielzahl alternativer Materialien wie farbiges Aluminium, Messing oder Lack erzielen ganz neue Wirkungen und machen die Gefäße von Marianne Kunz, Marius Perl und Larissa Thiel zu wahren Eyecatchern.

Der Lehrer Andreas Decker sagt über die ausgestellten Stücke: „Es sind „Objekte des Alltags“, die jenseits des visuellen Lärms zum Innehalten, bewussten Wahrnehmen, zu mehr Sinnlichkeit und Identifikation aufrufen. Nicht Innovation als Selbstzweck, sondern eine jeweilige Neuformulierung von Funktion und Inhalt ist das Ziel.“

Bitte informieren Sie sich vorab auf unserer Homepage www.goldschmiedehaus.com über die geltenden Corona-Bestimmungen und Öffnungszeiten. Parallel zur Ausstellung bieten wir kleine Beiträge und Videos auf unseren Social-Media-Kanälen an.