Bruno Martinazzi. Ein Künstlerphilosoph im Schmuck

Datum: 
Donnerstag, 18. November 2021 ( ) bis Sonntag, 13. Februar 2022 ( )
Bruno Martinazzi. Halsschmuck Quiel Piegare, 1999, Gold 20K


martinazzi.goldschmiedehaus.com

Kuratiert von Ellen Maurer Zilioli
In Zusammenarbeit mit dem Archivio Martinazzi, Turin

Der Goldschmied und Bildhauer Bruno Martinazzi entführt uns in eine der Cyberweb -Ära fremde Welt. Zeitlebens haben ihn antikes Kulturerbe, humanistische Ideale und Gedanken beschäftigt. Er ist ein Klassiker und doch modern zugleich. In Gold und Stein hinterließ er ungewöhnliche Meisterwerke von zeitloser Schönheit, die außerdem die Erfahrung des 20. Jahrhunderts durch die abstrahierende Konzeption und den Ausschnittcharakter seiner Werke spiegeln.

Die frühen Arbeiten verraten die Resonanz von kinetischer und tachistischer Schraffur. Politische Unruhen und Pop, Friedensmärsche (Martinazzi war überzeugter Pazifist) und Gesellschaftskritik der 1960er und 1970er Jahre führten zur Auseinandersetzung mit dem Körperfragment als ausdrucksstarker Parabel seiner zwischen irdischer Sinnlichkeit und philosophischer Vergeistigung angesiedelten Ästhetik. Diese skulptural anmutenden Schmuckschöpfungen gelten heute auf der ganzen Welt als sein Markenzeichen.

Mund, Gesäß, Fuß, Hand, Auge – meist nur im Detail, zuweilen plastisch betont, dann wieder verkürzt, verdichtet und gekappt – vergegenwärtigen Materie im Wandel. Das Repertoire des Goldschmiedes kreist um die Vorstellung der konkreten leiblichen Präsenz in ihrer Beständigkeit contra Vergänglichkeit und Flüchtigkeit. Wie geronnen bleibt die Vision Martinazzis im Gold zurück. Daher fühlte er sich den Göttern verbunden, den Engeln, den Boten und Zeugen der „antichità“ verpflichtet, studierte Platon, Ovid, Hesiod, Plotin, Dante, Augustinus, Petrarca und andere. Er strebte nach Erkenntnis, danach, aus dem Dickicht seines breiten Wissens, seiner ausgefeilten Recherchen auf dem Feld von Philosophie und Mythologie, Hinweise zu filtern, die uns in die Zukunft tragen können. Sein Schmuck nähert sich dem aphoristischen Zitat, es scheint uns einen Wink zu geben, zur kontemplativen Schau einzuladen. „Dio fanciullo“, „Afrodite“, „Angelo“, „Icaro“, „Narcisso“, „Sibylla“ sind jene Figuren, die den Künstler begleitet haben. Der Kosmos, das Kaos, die Schöpfung bilden den Fond seiner Arbeit. So entstehen wunderbare Paraphrasen auf Sein und Ewigkeit in Form von Schmuck.

In Deutschland wurde Martinazzi von Anfang an verehrt und geschätzt. Er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, zum Beispiel 1965 den Bayerischen Staatspreis und 1987 den Ehrenring der Gesellschaft für Goldschmiedekunst sowie zahlreiche Ausstellungen.